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Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten erarbeiten zurzeit ein Gesamtpaket, das den Euro und die Wettbewerbsfähigkeit der Staaten der Europäischen Union stärken soll.
Was ist der Pakt für den Euro? Die 17 Euro-Staaten werden sich künftig bei der Wirtschafts-, Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abstimmen. Der Pakt ist auch für die zehn weiteren Mitgliedstaaten, die den Euro bislang nicht eingeführt haben, offen. Bereits beim Europäischen Rat am 24./25. März werden diese Staaten voraussichtlich mitteilen, ob sie sich beteiligen wollen.
Welche Ziele verfolgt der Pakt? Der Pakt für den Euro zielt darauf ab, die wirtschaftliche Entwicklung in der Währungsunion zu stärken. Mit ihm soll eine bessere wirtschaftspolitische Koordinierung im Euro-Währungsgebiet und weiteren freiwillig teilnehmenden EU-Mitgliedstaaten erreicht werden. Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit Europas insgesamt verbessert werden. Die Wettbewerbsfähigkeit ist von wesentlicher Bedeutung, um der EU ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, ein hohes Einkommensniveau für die Bürger zu wahren und unseren Sozialstaat zu sichern.
Welche Maßnahmen beinhaltet der Pakt? Die Euro-Mitgliedstaaten und die am Pakt freiwillig teilnehmenden Nicht-Euroländer werden jährlich über zusätzliche Verpflichtungen beraten, z.B. über konkrete nationale Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung. Der Schwerpunkt soll vor allem auf die Bereiche gelegt werden, die in die einzelstaatliche Zuständigkeit fallen und die für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und die Vermeidung schädlicher Ungleichgewichte von entscheidender Bedeutung sind. So soll sich das Rentenalter in allen Euroländern an der jeweiligen nationalen demografischen Entwicklung orientieren. Ein einheitliches Rentenalter soll es aber - unter anderem aufgrund unterschiedlich hoher Lebenserwartungen in den einzelnen Ländern - nicht geben. Ferner sollen etwa Lohnkosten stärker am Produktivitätsfortschritt orientiert, Schwarzarbeit stärker bekämpft und auf Arbeit erhobene Abgaben reduziert werden. Die Europäische Kommission wird über den Prozess wachen und berichten, inwieweit sich die Wettbewerbsfähigkeit der am Pakt teilnehmenden Staaten verbessert. Maßstab der Wettbewerbsfähigkeit werden nicht nur die Besten innerhalb Europas sein, sondern auch unsere globalen Wettbewerber.
Mit dem Pakt für den Euro werden keine gesetzgeberischen Zuständigkeiten auf Brüssel übertragen. Die einzelnen Staaten bleiben weiterhin für die jeweiligen Gesetze allein zuständig. Die Staats- und Regierungschefs stimmen die Maßnahmen aber intensiver miteinander ab.
Soll die EU mit dem Pakt zusätzliche Kompetenzen bekommen? Bestimmt Brüssel zukünftig über den deutschen Staatshaushalt, unsere Steuern oder das Renteneintrittsalter? Nein! Die CDU steht nach wie vor fest zum Subsidiaritätsprinzip. Das heißt: Die EU soll sich auf solche Aufgaben konzentrieren, die die europäische Ebene besser als die Nationalstaaten mit ihren Regionen und Kommunen erfüllen kann. Nicht jede Aufgabe in Europa ist eine Aufgabe für Europa. Wir wollen keine „Vergemeinschaftung" der gesamten Wirtschaftspolitik, keine „EU-Wirtschaftsregierung" - also keine Übertragung von Zuständigkeiten, die bislang auf nationalstaatlicher Ebene liegen, an die EU. Deshalb wollen wir auch nicht, dass die EU künftig für unser Renteneintrittsalter oder unsere Einkommensteuer zuständig ist. Das können wir auf nationaler Ebene besser regeln.
Wie funktioniert der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM)? Der Euro-Rettungsfonds wurde 2010 als Notfallmaßnahme aufgrund der damaligen Turbulenzen geschaffen und ist befristet bis 2013. Der ESM soll den Euro-Rettungsfonds ab 2013 ablösen und von europäischer Seite ebenfalls 500 Milliarden Euro umfassen. Im Euro-Rettungsfonds beteiligt sich der IWF mit 250 Milliarden Euro; im Europäschen Stabilitätsmechanismus wird der IWF über Art und Umfang seiner Beteiligung im jeweiligen Einzelfall entscheiden. Klar ist aber heute schon, dass eventuelle ESM-Finanzhilfen an ein strenges wirtschafts- und finanzpolitisches Anpassungsprogramm und an eine rigorose Schuldentragbarkeitsanalyse geknüpft werden, die die Europäische Kommission und der IWF in Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank (EZB) durchführen.
Der ESM soll also keine bequeme Gelegenheit für schlecht haushaltende Euro-Staaten sein, an billige Kredite zu kommen: Finanzhilfen werden nur bereitgestellt, wenn eine solche Maßnahme zur Wahrung der Stabilität des Euro-Währungsgebiets insgesamt als unerlässlich erachtet wird. Die Gewährung von Finanzhilfen wird in Form von Darlehen gewährt und strengen Auflagen unterliegen.
Der ESM soll zudem unter besonders strengen Auflagen auch Staatsanleihen von den betroffenen Staaten direkt, also auf dem Primärmarkt, kaufen können, statt ihnen Darlehen zu gewähren. Anleihekäufe am so genannten Sekundärmarkt - dem Handel mit schon vorher herausgegebenen Wertpapieren - sollen nicht möglich sein. Der ESM wird also nicht als Käufer bereits gehandelter Staatsanleihen auf den Finanzmärkten auftreten. Die Details werden noch von den Finanzministern beraten. Der endgültige Beschluss soll beim Rat am 24./25. März gefasst werden. Es wird erwartet, dass dann auch die Nicht-Eurostaaten den Planungen zustimmen.
Wozu brauchen wir den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)? Hätte uns nicht bereits der Euro-Rettungsfonds vor zukünftigen Krisen schützen sollen? Der Euro-Rettungsfonds gilt lediglich bis Juni 2013. Es ist aber sinnvoll, sich für zukünftige Krisen frühzeitig zu wappnen. Diese können nie ganz ausgeschlossen werden. Nur so kann notfalls schnell und entschlossen reagiert werden. Deshalb soll mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus ein dauerhafter Krisenmechanismus geschaffen werden, der das bisherige Provisorium des Euro-Rettungsfonds ablösen soll.
Im Vordergrund steht aber die Verhinderung von Krisen. Deshalb wird mit dem Pakt für den Euro die Zusammenarbeit in Europa gestärkt. Zudem soll beim Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs der EU am 24./25. März 2011 eine deutliche Verschärfung des sogenannten Stabilitäts- und Wachstumspaktes beschlossen werden.
Wie stärken wir den Stabilitäts- und Wachstumspakt? Einzelne Punkte sind unter anderem: Sanktionen kommen schneller: Wenn das Defizit größer als 3 Prozent des BIP und/oder der Schuldenabbau nicht ausreichend ist, soll in der Eurozone ein neuer Sanktionsmechanismus greifen. Sanktionen werden schärfer: Mittelfristig können nicht nur Geldstrafen verhängt, sondern dem Land erstmals auch EU-Haushaltsgelder gestrichen werden. Sanktionen unterbleiben zukünftig nur dann, wenn eine Mehrheit im Rat sie ablehnt. Ohne eine solche Mehrheit im Rat würde die Sanktion automatisch greifen. Dadurch würde es zukünftig wesentlich schwieriger, Sanktionen zu verhindern. Bislang musste jede Sanktion von einer Mehrheit im Rat beschlossen werden.
Wie wird Griechenland weiter unterstützt? Die Euro-Staaten haben sich zu dieser Entlastung Griechenlands entschlossen, weil das Land seine Strukturreformen entschlossen fortsetzt. Das 50 Milliarden Euro umfassende Privatisierungsprogramm und das angekündigte Immobilienentwicklungsprogramm sollen vollständig und rasch zum Abschluss gebracht werden. Die Euro-Staaten gewähren Griechenland verbilligte Zinskosten für seine Milliardenkredite. Außerdem wird die Laufzeit der Kredite von drei auf siebeneinhalb Jahre verlängert.
Wird Deutschland der Zahlmeister in der Euro-Zone? Deutschland unterstützt zwar mit seinen Beiträgen zum EU-Haushalt bereits seit Jahrzehnten die schwächeren EU-Partner, aber mit seiner exportorientierten Wirtschaft profitiert gerade Deutschland von der Europäischen Integration und den offenen Grenzen. Ein Viertel bis ein Drittel unserer Arbeitsplätze hängt direkt von unserer Vernetzung in Europa ab.
Jedes Land ist für seine Schulden selbst verantwortlich. Deutschland hat aber wie alle anderen Länder ein ureigenes Interesse an der Stabilität des Euro. Deshalb beteiligen wir uns am Krisenfonds ESM. Der Fonds wird aber nur in Notfällen und unter strengen Auflagen Kredite gewähren. Diese Kredite müssen natürlich zurückgezahlt werden. Über solche Hilfen kann nur einstimmig beschlossen werden, Deutschland kann also sein Veto einlegen, wenn die Voraussetzungen für Hilfen nicht gegeben sind.
Warum halten wir am Euro fest, statt uns die D-Mark zurückzuholen? Der Euro bietet gegenüber der D-Mark wesentlich mehr Vor- als Nachteile! So kommt beispielsweise die Unternehmensberatung Kienbaum in einer aktuellen Studie unter dem Titel „Deutschland braucht den Euro!" zu dem Ergebnis: „Die Beibehaltung des Euro in seiner jetzigen Form ist die aus deutscher Sicht sinnvollste Alternative." Und weiter: „Mögliche Ausfallrisiken aufgrund der Euro-Rettung sind das kleinere Übel im Vergleich zu einer Verkleinerung oder Aufteilung des Euro-Raumes. Die Vorteile einer funktionierenden einheitlichen Euro-Währung überwiegen die Nachteile einer möglicherweise teuren, aber voraussichtlich doch vorübergehenden Rettungsaktion."
Wie stärkt der Euro die deutsche Wirtschaft? Die meisten Unternehmen bezeichnen die Auswirkungen des Euro auf ihre Geschäftstätigkeit als positiv. Vor allen Dingen werden dabei das wegfallende Wechselkursrisiko, der vereinfachte Zahlungsverkehr innerhalb des Euro-Raums, die hohe Transparenz der Preise und ihre damit einhergehende bessere Vergleichbarkeit durch den Euro genannt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen - die sich aus verschiedenen Gründen beispielsweise mit Absicherungsgeschäften gegen Wechselkursschwankungen schwertun - profitieren von diesen Vereinfachungen.
Die deutsche Wirtschaft hat mit ihrer hohen Exportorientierung in den letzten Jahren vom Euro erheblich profitiert. Über 40 Prozent der deutschen Gesamtexporte gehen in den Euroraum. Im Krisenjahr 2009 konnte man dabei feststellen, dass der Rückgang der Exporte in den Euroraum mit etwa 16 Prozent deutlich geringer ausgefallen ist, als der in den Nicht-Euroraum der EU mit minus 25 Prozent - obwohl in beiden Gebieten das BIP gleichermaßen um durchschnittlich etwas mehr als 4 Prozent gefallen war. Durch den Euro kommt es mittlerweile in der Beziehung zu einem wichtigen Teil unserer Handelspartner nicht mehr zu den sonst gerade in Krisen üblichen Aufwertungen unserer Währung. Hat die deutsche Exportwirtschaft vor dem Euro oft unter dem Anstieg der D-Mark gegenüber den Währungen wichtiger Handelspartner gelitten, ist dies zumindest für den Euro-Raum nicht mehr der Fall. Dies sichert letztendlich Beschäftigung und Wohlstand in Deutschland.
Ist der Euro stabil? Ja! Der Euro sorgt für stabile Preise. Dies gilt auch im Vergleich zur D-Mark: Die Geldentwertung in Deutschland lag seit Einführung des Euro bei durchschnittlich 1,6 Prozent pro Jahr. Das ist deutlich weniger als zu D-Mark-Zeiten, als sie bei durchschnittlich 2,9 Prozent lag. Auch wenn man die einzelnen Jahrzehnte seit Bestehen der Bundesrepublik vergleicht, ergibt sich ein eindeutiges Bild: In den 50ern stiegen die Preise um insgesamt ca. 20, in den 90ern um 25, in den 60ern und 80ern um je knapp 30 und in den 70ern sogar um insgesamt mehr als 60 Prozent. Der Einführung des Euro schloss sich im vergangenen Jahrzehnt (2000-2010) die höchste Preisstabilität seit Bestehen der Bundesrepublik an. Die Preise sind insgesamt nur um rund 17 Prozent innerhalb dieses Jahrzehnts gestiegen.
Dass diese Fakten offensichtlich mit der vielfach subjektiv wahrgenommen Inflation kollidieren, hat vor allem zwei Ursachen: Erstens gab es die Erwartung, dass der Umstieg auf den Euro von den Anbietern zu Preissteigerungen genutzt werden würde. Allein schon diese Erwartung führte laut wissenschaftlicher Untersuchungen zu folgendem Effekt: Wenn einzelne Euro-Preise von den D-Mark-Preisen nach oben und nach unten abwichen, im Durchschnitt aber konstant blieben, wurde dies von den Versuchspersonen durchschnittlich als eine Preiserhöhung um acht Prozent wahrgenommen.
In der heutigen Situation kommt zweitens hinzu, dass die jetzigen Europreise in D-Mark umgerechnet und dann mit dem letzten D-Mark-Preis von 2001 verglichen werden. Dass derselbe Vergleich von 2001 zu 1991 eine größere Inflation ergibt, entzieht sich aber weitgehend der Wahrnehmung, da diese Inflation über 10 Jahre hinweg in ein und derselben Währung stattfand. Die alten Preise gerieten so allmählich in Vergessenheit, während sich viele Preise zum Ende der D-Mark im Gedächtnis festgesetzt haben und mit dem heutigen Preisniveau verglichen werden.
Nicht nur im Vergleich zur D-Mark ist der Euro stabil. Auch den Dollar sticht er aus. So ist ein Euro von 1999 heute zwar nur noch 78 Euro-Cent wert, ein Dollar jedoch sogar weniger als 75 US-Cent.
Der Außenwert des Euro ist seit seiner Einführung gegenüber dem Dollar gestiegen. Zum Start der Gemeinschaftswährung (1999) erhielten die Europäer für einen Euro knapp 1,18 US-Dollar. Aktuell erhalten sie dafür rund 1,40 Dollar. Selbst zu besten D-Mark-Zeiten wurde dies nur einmal übertroffen, nämlich im April 1995. Auf den Euro umgerechnet lag der Kurs damals bei 1,43 Dollar je Euro. Der heutige Kurs bedeutet eine Zunahme des Werts des Euro gegenüber dem US-Dollar um 19 Prozent gegenüber Anfang 1999. Im Gegensatz zum Pfund Sterling stieg der Euro im gleichen Zeitraum sogar um 21 Prozent.
Warum werden Haushaltssünder nicht einfach aus der Euro-Zone ausgeschlossen?
Nach geltendem EU-Recht kann kein Haushaltssünder gezwungen werden, aus der Eurozone auszutreten. Zudem wäre der Schaden für alle Euro-Länder - also auch für Deutschland - groß, wenn auf die Eurozone nicht dauerhaft Verlass wäre.
Ein Ausschluss bzw. ein Austritt aus der Eurozone und die Einführung einer eigenen Währung würde auch nicht dazu führen, dass die Schulden verschwinden. Im Gegenteil: Die nach wie vor in Euro notierten Auslandsschulden würden bei einer Abwertung der neuen Währung steigen, die Bedienung würde schwerer. Damit droht, dass ein Staatsbankrott nur verschleppt, aber nicht verhindert würde.
Damit bestünde auch eine ernste Gefahr für deutsche Banken und damit letztlich für die Einlagen der deutschen Sparer. So halten beispielsweise allein deutsche Banken Staatsanleihen von Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien im Wert von insgesamt rund 500 Milliarden Euro. Da Staatsanleihen wegen des normalerweise sehr geringen Risikos im Allgemeinen als besonders sicher gelten, sind sie Bestandteil in vielen Lebensversicherungen und Vorsorgeplänen. Bei einem Staatsbankrott hätten diese Anlagen ihren Wert und damit auch deutsche Sparerinnen und Sparer Teile ihrer Altersvorsorge verloren. |




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