Der Wahlkreis, der die Innenstadt von Frankfurt am Main und nordwestliche Stadtteile umfasst, war immer umkämpft. 2009 machte Matthias Zimmer für die CDU das Rennen und zog in den Bundestag ein. Er zählt zum Arbeitnehmerflügel der Union und betont die Gemeinsamkeiten von Schwarz und Grün.

Professor Doktor der Politikwissenschaft ist Matthias Zimmer - und kein bisschen abgehoben, meinen Anhängerinnen.

"Er geht auf die Menschen zu, nicht nur auf die Parteifreunde, auch auf die Bürger. Er bloggt auch, also er ist auch sehr dem Neuen aufgeschlossen."

"Als er Bundestagsabgeordneter wurde, hat er sich die Mühe gemacht und hat in unserer katholischen Pfarrei den sogenannten Caritas-Pfad gelaufen. Dann gehen wir in Kleiderläden in Beratungsstellen, das hat mit ganz großem Interesse gelaufen und konnte sich so ein Bild von dem Stadtteil Unterliederbach machen. Und wir dürfen auch mit ihm sprechen, wenn wir soziale Missstände politisch gern mal vertiefen würden, da hat er immer ein offenes Ohr."

Seinen 2009 unterlegenen SPD-Konkurrenten Gregor Amann schätzt der Christdemokrat Matthias Zimmer. Anfang 50, von barocker Figur und Mindestlohn-Verfechter ist sein Gegner - wie er selbst. Zimmer gehört zum Arbeitnehmerflügel der CDU, gilt als Parteilinker und steht auch im Wahlkampf zu Niederlagen der vergangenen Legislaturperiode:

"Mich hat geärgert, dass wir das Thema Mitarbeiterkapitalbeteiligung - das hatte ich mir zu Anfang der Legislaturperiode auf die Fahnen geschrieben - dass wir da nicht mehr haben bewegen können. Das ist eine urchristliche-soziale Idee, die Mitarbeiter Stärker am Gewinn zu beteiligen und an den Firmen zu beteiligen. Da haben wir, obwohl's im Koalitionsvertrag stand, leider nicht hinbekommen."

Zimmers politisches Engagement begründet sich in der katholischen Soziallehre, zielt ab auf soziale Gerechtigkeit. Das und vieles andere teilt der Frankfurter Bundestagsabgeordnete mit seinem politischen Vorbild und wichtigsten Wahlkampf-Gast.

"Heißen Sie mit mir willkommen: Dr. Heiner Geißler"

"Reden über Gott und die Welt" mit dem CDU-Linksaußen und attac-Mitglied Heiner Geißler - ein Wahlkampftermin, der keiner ist. Denn richtig gut weg kommt die CDU dabei nicht. Im Frankfurter Caritas-Haus nimmt der 83-Jährige aufs Korn, wie sich seine Partei vom "Marktradikalismus" anstecken lässt. Wahlkämpfer Zimmer sagt an diesem Abend wenig und nickt oft. Sein Gast kann als Polit-Pensionär vieles schonungsloser auf den Punkt bringen. Geißler plädiert unverblümt für eine Große Koalition oder Schwarz-Grün. Und spricht damit den gemeinsamen Anhängern aus der Seele. Die wünschen nämlich, dass sich die Christdemokraten

"So'n bisschen von der FDP, diesem Übergewicht in der Koalition weg auch wieder mehr auf soziale Ziele besinnen. Hartz IV ist zum Beispiel ne schwierige Kiste, man sich also mehr am Fordern und Fördern orientieren und nicht nur am Geben und Strafen, wie das im Moment ja der Fall ist."
 

Bedächtiger Rebell

Die Reform der Arbeitsmarktreform - für den Sozialpolitiker wichtigstes Projekt. Außerdem tritt er für liberale Drogenpolitik und Gleichstellung der Homo-Ehe ein. Kein Zweifel: In der Union wäre Zimmer einer derjenigen, die "Schwarz-Grün könnten", auch wenn er gern über die "Bionade-Bourgeoisie" spottet:

"Also in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik haben wir - glaube ich - mit den Grünen eine ganze Reihe von Übereinstimmungen, nicht nur Berührungspunkte, sondern wirklich inhaltliche Übereinstimmungen. Und das kommt, glaube ich im Wesentlichen daher, dass eine der Grundideen der Grünen ganz ähnlich ist wie bei uns. Also, die Union betont das Prinzip der Subsidiarität, das die kleineren Einheiten entscheiden sollen, dass nicht alles der Staat macht. Bei den Grünen ist das Denken eher in Vernetzungen: zivilgesellschaftliche Lösungen, Vernetzungen, das kommt dem Prinzip der Subsidiarität sehr nah. Und wenn man sich in diesen Grundstrukturen des Denkens sehr nahe ist, dann ist man sich bei der Lösung politischer Probleme, glaube ich, auch sehr nahe."

Eher Brückenbauer als Polarisierer ist Matthias Zimmer, und so betont er auch im Endlos-Streit mit der SPD um den Mindestlohn eher die Gemeinsamkeiten. Damit gibt er in seiner Partei den Rebell, aber einen von der leisen, bedächtigen Sorte. Dass die CDU auf ihrer "Lohnuntergrenze" beharrt und den Begriff "Mindestlohn" den Genossen überlässt, das schmerzt den Mann vom Arbeitnehmerflügel.

von Anke Petermann
Quelle:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/hinterbaenkler/2226479/

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