Der Frankfurter Christdemokrat Matthias Zimmer schätzt den Bundestag, das Wachstum weniger. Die Schwerpunktthemen des Bundestagsabgeordneten sind die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Frankfurt. -Bei der Bundestagswahl im September treten im Wahlkreis 182 zwei politische Schwergewichte an: Gregor Amann (SPD) und Matthias Zimmer (CDU). Vor vier Jahren schnappte Zimmer mit 35,2 Prozent der Erststimmen Amann (30,1 Prozent) den Wahlkreis vor der Nase weg. Wie es diesmal ausgehen wird? „Ich glaube, dass ich eine faire Chance habe.“ Aber dass er wieder gewinnt, sei „keineswegs sicher“. Der Christdemokrat Zimmer schätzt den Sozialdemokraten Amann: „Wir liegen bei vielen Fragen auf einer Wellenlänge.“ Was nicht unbedingt verwunderlich ist: Zimmer gilt als der Linksaußen der Frankfurter CDU.

Zu Fortschritt und Wachstum hat der 52-Jährige ein eher distanziertes Verhältnis. Seine Schwerpunktthemen sind die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Durch seine Tätigkeit in der Enquete-Kommission des Bundestags zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ ist für ihn auch das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt gerückt.

Der fast 1000 Seiten umfassende Abschlussbericht der Kommission enthalte einen „relativ pessimistischen Unterton“, den er nur teilen könne: Um Probleme wie den Klimawandel zu lösen, würden „globale Ordnungsstrukturen“ benötigt und zwar so rasch wie möglich: „Uns läuft die Zeit davon.“ Auch die soziale Nachhaltigkeit treibt ihn um: „Unser Wohlstand wird auch dadurch erkauft, dass es vielen Menschen auf der Welt nicht so gut geht.“

Zimmer glaubt nicht daran, dass sich Märkte selbst regulieren. Derzeit werde Fortschritt meist mit Wachstum gleichgesetzt, was er für eine „metaphysische Verdummung“ hält. Der studierte Politikwissenschaftler warnt vor dem „Irrglauben, dass Haben wichtiger sei als Sein“.

Ein „blinder Fleck des Marktes“ ist für ihn, dass die Folgekosten eines Produkts nicht im Preis enthalten sind, sondern auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Beispiel: „Kartoffel-Chips und Coca Cola“. Jeder wisse, dass der Verzehr ungesund sei. Doch die gesundheitlichen Schäden würden nicht durch die Käufer und Konsumenten, sondern über das Gesundheitssystem abgewickelt.

Zimmer ist verheiratet und hat zwei Kinder. 1992 gehörte er zu den ersten Männern, die Erziehungsurlaub nahmen. Nach Frankfurt kam er 1999, um nach Jahren wissenschaftlicher Tätigkeit eine Stelle im Büro der Oberbürgermeisterin Petra Roth zu übernehmen. Neben seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter ist er Honorarprofessor an der Universität in Köln. Sein Spezialgebiet ist die politische Philosophie und Ideengeschichte.

In den vergangenen vier Jahren hat Zimmer das typische Doppelleben eines Bundestagsabgeordneten geführt: Die 24 Sitzungswochen im Jahr seien „stark durchgetaktet“. Sein Arbeitstag beginne zwischen 7 und 7.30 Uhr und reiche oft von einem „politischen Frühstück“ bis zu einem abendlichen Treffen. Oft sitze er bis tief in die Nacht an einer Rede. Man stehe unter Druck, aber es gebe auch „Belohnungssysteme“. Die Arbeit sei „ungemein bunt und vielfältig“. Das sei schon „ein faszinierendes Biotop, dieser Bundestag“.

Im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim sitzt er dann mehr am Schreibtisch, denkt nach, versucht Dinge aufzuarbeiten und sich mit schwierigen Themen wie etwa dem Afghanistaneinsatz auseinanderzusetzen. Und selbstredend muss er auch immer wieder erklären, „was wir in Berlin alles machen“.

Quelle: Frankfurter Rundschau

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