Es gibt kaum jemanden, der gegen Nachhaltigkeit ist. Was aber ist das Anliegen von Nachhaltigkeit, welches Menschenbild liegt ihr zugrunde? Der CDU-Abgeordnete Prof. Dr. Matthias Zimmer hat gerade ein Buch darüber geschrieben – und verrät, warum er ein Trekkie ist.

Bei Ihrer Buchvorstellungen haben Sie Parallelen zu Star Trek gezogen: Was hat Nachhaltigkeit mit Star Trek zu tun?

Viele Science-Fiction-Werke, vor allem aber die Serie "Star Trek", stellen uns eine Welt vor, in der vieles besser ist als in unserer. Es gibt keine Umweltverschmutzung, Energie ist kein Problem, Geld spielt keine große Rolle mehr. Damit machen sie uns deutlich, wohin wir uns entwickeln können. Eine großartige Vision, für die es sich zu kämpfen lohnt. Es kann eine bessere Welt geben. Aber: Der Fortschritt muss die Gebote der Nachhaltigkeit beachten, er muss immer auf den Menschen bezogen sein.

Sie wollen Bedingungen schaffen, die Verbraucher zu nachhaltigen Verhaltensweisen bewegen: Wie können unsere mitmischen.de-User konkret nachhaltig handeln und wie gehen Sie mit gutem Beispiel voran?

Bewusster einkaufen. Viele Produkte sind deshalb billig, weil andere Menschen in der Herstellung der Produkte ausgebeutet, ja geschädigt werden. Daran werden wir mitschuldig, wenn wir ohne nachzudenken nur das billigste Produkt nehmen. Und: Das Glück liegt nicht darin, immer mehr zu haben. Deswegen sollten wir uns fragen: Wie viel ist genug für mich? Und: Kann ich mir Anerkennung dadurch erkaufen, dass ich immer die neuesten Klamotten trage? Oder mache ich mich dann von Mode abhängig, die mit meinen eigentlichen Bedürfnissen nichts zu tun hat?

"Nachhaltigkeit!" ist nicht Ihr erstes Buch: Was motiviert Sie dazu, als Abgeordneter zusätzlich Autor zu sein?

Das Thema Nachhaltigkeit ist sehr breit angelegt. Das wollte ich darstellen. Und manchmal wirkt ein Buch über einen langen Zeitraum mehr als viele Reden. Insofern ist ein Buch zu schreiben vielleicht nachhaltiger als manches andere, was ich als Abgeordneter tue.

Warum das Thema Nachhaltigkeit und warum das Ausrufezeichen?

Das Ausrufezeichen soll uns zum Handeln bewegen. Es ist eine Aufforderung. Es bezeichnet aber auch eine zwingende Notwendigkeit: Ohne nachhaltiges Leben und Wirtschaften geht unser Planet zugrunde.

Ein Bericht des Statistischen Bundesamtes gibt alle zwei Jahre Auskunft über die Fortschritte der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Was sind die größten Baustellen?

Die größte Baustelle aus meiner Sicht ist es, uns selbst von einem nachhaltigen Lebenswandel zu überzeugen. Wo aber die Politik etwas machen kann: neue Technologien fördern, die weniger Energie brauchen, weniger Material benötigen – und den Ausstieg aus einer Wirtschaft zu organisieren, die Kohle und Erdöl braucht.

Wie ist der Zusammenhang zwischen Flüchtlingspolitik und Nachhaltigkeit?

Es gibt ja den Begriff der Klimaflüchtlinge. Dort, wo die natürlichen Lebensgrundlagen für die Menschen zerstört werden, verlassen sie ihre Heimat. Der Klimawandel ist ein bedeutender Grund für die Zerstörung der Lebensgrundlagen. Und den Klimawandel haben wir als Industriestaaten wesentlich mitverursacht durch eine nicht nachhaltige Produktionsweise.
 

Über Prof. Dr. Matthias Zimmer:

Prof. Dr. Matthias Zimmer wurde 1961 in Marburg geboren und studierte Politikwissenschaften in Trier, an der Indiana University of Pennsylvania und in München. Heute ist er Honorarprofessor an der Universität Köln und sitzt für die CDU im Bundestag. Der Publizist und Fernsehmoderator Roger Willemsen, der 2013 die Debatten im Bundestag verfolgte und ein Buch darüber schrieb, sagte: "Die beste Rede in diesem Jahr hat der CDU-Abgeordnete Matthias Zimmer gehalten. Es ging um die Grenzen des Wachstums. Eine fast philosophische Rede im Bundestag, ein Glanzstück." Das neue Buch von Zimmer heißt: Nachhaltigkeit!: Für eine Politik aus christlicher Grundüberzeugung.

(af)

 

Erschienen unter: Mitmischen - das Jugendportal des Bundestages

 

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