Prof. Dr. Matthias Zimmer
Antrittsvorlesung an der Universität zu Köln
 
Die politikwissenschaftliche Beschäftigung mit literarischen Werken ist in Deutschland eher eine Randerscheinung. Zu sehr scheint dies im Widerspruch zu stehen zu einem Wissenschaftsverständnis, in dem es um empirisch gesättigte Forschung geht, selbstverständlich theoretisch angeleitet. Hieraus zieht die Politikwissenschaft einen Teil ihrer Legitimation als einer wirklichen Wissenschaft, in der es um nachprüfbare, die empirisch verifizierbare Aussage geht, manchmal durchaus auch mit Blick auf die praktische Verwertbarkeit. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Gleichwohl  ist Politikwissenschaft ja mehr, vor allem dann, wenn wir nach den Folgen der altehrwürdigen Behauptung fragen, dass der Mensch ein politisches Wesen sei. Dann wird nämlich Politikwissenschaft auch normativ und es geht um den Zusammenhang des Einzelnen und der Polis, für den es freilich keinen transhistorischen, universalen Maßstab gibt. Mensch und Polis sind kulturell geprägt, die Ausformungen der Ordnung des menschlichen Zusammenlebens haben sich in unterschiedlichen Epochen und Kulturen unterschiedlich manifestiert. Aber die Ordnung des menschlichen Zusammenlebens sowohl in der Polis und auch zwischen den Poleis, das ist das Thema der Politikwissenschaft.

Lesen Sie den kompletten Text "Othello, oder: Das Scheitern des modernen Menschen in der Polis" hier.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag